Giftige Wörter (Teil B)

Wer wirklich Verantwortung übernehmen will für die Sprache, die er anderen zukommen lässt, sollte durchaus mehr als nur einen Blick in das Handbuch »LTI – Notizbuch eines Philologen« von Victor Klemperer aus dem Jahr 1947 werfen. In dieser Schrift nimmt der Autor Hitlers und Goebbels’ erfolgreichen Sprachkrieg gegen Verstand und Moral ihrer Landsleute kritisch auseinander. Ein Fazit: Sprache ist niemals unschuldig.

Sind wir heute anständiger geworden? Sehen wir uns doch einige gebräuchliche Wörter an.

Migration

Zumindest für Lateiner kommt sie friedlich wandernd daher, die Migration. Wir verstehen sie als Auswanderung, gefolgt von Einwanderung.

Genau das ist Migration aber nicht. Sie beginnt wohl mit Auswanderung. Zur Einwanderung wird sie aber nur, wenn die Wanderer in staatenlose Gebiete marschieren (wie Mond, Mars, internationaler Meeresboden) oder von den Staaten und Bürgern, deren Territorien die Migranten künftig nutzen wollen, ausdrücklich eingeladen sind.

Dabei dürften Staaten in gemäßigten bis kalten Klimazonen, die ihren eigenen Bürgern kein verfassungsmäßiges Recht auf angemessene Wohnung einräumen, solche Einladungen überhaupt nicht aussprechen, es sei denn, ihre Bürger erklären sich zuvor verbindlich als Einwanderungspaten und Obdachbürgen.

Ohne solche Einladung steht »Migration« nur als Euphemismus für »Invasion«. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Kriegserklärung (individuell oder pauschal, wie im Koran) voranging oder die Invasoren über ihre bloße Körperkraft hinaus mit Messern, todbringenden Kraftfahrzeugen, Schießgeräten oder fremdartigen Krankheitskeimen bewaffnet sind.

Ohne qualifizierte Einladung der Zielländer dient »Migration« nur dem Übertölpeln des jeweiligen Staatsvolks, damit es seinen Stand- und Wohnort widerstandslos aufgibt. Das kann auf Zeit dem Staatsvolk Frieden sichern, des Volkes bloße Existenz gerät damit in erhebliche Gefahr.

Kita

Das kurze Wörtchen steht eigentlich für »Kindertagesstätte«. Wer sich also nicht einmal mehr die Zeit nimmt, »Kinder« zu sagen, selbst wenn ihm solche anvertraut sind, kommt dank »Kita« mit einem »Ki« über die Runden.

Dergleichen Wortverstümmelung hilft den Eltern sich einzureden, dass es völlig in Ordnung ist, wenn Kleinkinder von Fremden erzogen und geprägt werden, ohne dass die Eltern darüber im Einzelfall auch nur eine Spur von Kontrolle hätten. Damit fällt schließlich auch die belastende Verantwortung für das Ergebnis solcher Fremderziehung. Fremderziehung ist schon deshalb der richtige Begriff, weil kaum ein Vater oder eine Mutter mehr als 60 Minuten aufbringt, die Eignung dieser Erzieher für das gedeihliche Aufwachsen des Nachwuchses zu überprüfen. Wozu auch? Schließlich wurden diese Erzieher doch schon von Leuten geprüft, welche die Eltern noch nicht einmal gesehen haben.

Wer je sein Kind beobachtet hat, mit welcher Energie und Ausdauer es sich seinen Interessen widmet (wenn man es dabei nicht stört), weiß, dass Konzentrationsfähigkeit und damit die Fähigkeit, auch Komplexes zu erforschen und zu verstehen, jedem gesunden Kind angeboren ist. Genau das aber macht es es in einer Kindertagesstätte zum Außenseiter. Erzieher und andere Kinder unterbrechen und animieren es zu gemeinsamem Spiel, bis es sich für sein Außenseitertum schließlich schämt und seine Konzentrationsfähigkeit unterdrückt.

Damit erzieht man Menschen, die sich lieber in soziale Aktivität flüchten, statt Situationen zu verstehen. Und das nur, um gemocht zu werden und – als Nebeneffekt – sein Gehirn möglichst weitgehend zu schonen. Ein Schelm, wer abstreitet, dass diese Kitas später Politikern das Manipulieren ihrer Wählerschaft ganz wesentlich erleichtern.

Meinungsfreiheit

Innerhalb – mittlerweile hinsichtlich der Zulässigkeit der Verbreitung im Internet immer eingeengterer Grenzen – soll also jeder in Wort oder Schrift ungestraft und unbeeinträchtigt äußern dürfen, was er will. Selbst völlig Falsches genießt diesen Schutz, wenn es sich bloß auf die Realität, aber nicht auf Lebende bezieht.

Damit bedeutet »Meinungsfreiheit« eigentlich: »Jede Meinung ist gleich wertvoll oder wertlos.« Ein hohes Gut? Für Menschen, denen Zeitverschwendung zum zweiten Ich geworden ist, gewiss. Für alle anderen bedeutet es: »Meinung ist Meinung, sonst nichts!« Keiner muss sie ernstnehmen, berücksichtigen oder auch nur wahrnehmen. Solcherart Produktion menschlichen Geistes hat keine gesellschaftliche Bedeutung.

Den Vätern des deutschen Grundgesetzes muss deshalb diese Meinungsfreiheit als lästiger Wurmfortsatz erschienen sein, also erklärten sie – vor allem im Artikel 7 – bestimmte Meinungen von vorherein als besonders wertvoll und schützenswert: die religiösen Meinungen. In der ihnen eigenen Rückwärtsgewandheit vergaßen sie dabei, festzulegen, wann eine Meinung das Attribut »religiös« verdient.

Und so kommt es, dass heute der Koran über uns und unseren Nachkommen droht und dabei auch noch vom Staat geschützt und gefördert wird. Damit verfassten die Autoren des Grundgesetzes die Zeitbombe zur Vernichtung der deutschen Gesellschaft. Das in dieser Hinsicht wohl fortschrittlichste Bundesland Nordrhein-Westfalen zieht schon heute entsprechende verfassungsrechtliche Konsequenzen.

Religion ist nichts für Kinder

Verhaltensbiologen studierten 1200 Kinder im Alter von fünf bis 12 Jahren aus den USA, Kanada, China, Jordanien, Türkei und Südafrika. Von diesen Kindern erhielten 28% keinen, aber zwei Drittel Religionsunterricht in Christentum oder Islam. Für andere Religionen war die Stichprobe der beobachteten Kinder für eine Analyse zu klein. Man wollte herausfinden, ob und wie Religionsausbildung den sich entwickelnden Charakter von Kindern verändert.

Eigentlich war diese Studie überflüssig, denn Menschen, die sich ausbildend oder therapeutisch mit Kindern in dieser Altersgruppe beschäftigen und kein Eigeninteresse an religiöser Formung ihrer Schützlinge haben, wissen auch ohne diese Forschung, dass Unterricht in Religion Kinder im besten Fall verwirrt, im schlimmsten ihnen aber eine Niedertracht anerzieht, die ihnen von Haus aus niemals innewohnt.

Genau diesen negativen Effekt konnten die Verhaltensforscher in aller Deutlichkeit beweisen, mehr noch: die Kinder handelten umso niederträchtiger, je länger der Religionsunterricht andauerte. Bei religionsfrei erzogenen Kindern konnte nichts dergleichen festgestellt werden.

Zwischen muslimischen und christlichen trainierten Kindern zeigten sich in der Art der Niederträchtigkeit Unterschiede, wenn auch nur graduelle. So forderten und exekutierten vom Islam geprägte Kinder bei vermuteten Vergehen eher härtere Strafen als christliche und diese wiederum härtere als religionsfreie.

Um zu verstehen, warum Eltern ihrem Nachwuchs diese Seelentortur dennoch antun, muss man sich noch mit einem zweiten Ergebnis dieser Studie auseinandersetzen. Es zeigt, dass diese Eltern ihre Kinder durchweg derart vorurteilsbehaftet einschätzen, dass sie ihnen gerade wegen deren religiösen Ausbildung besonderen Altruismus und größere Empathie zuschreiben, was aber einer wissenschaftlichen Nachprüfung in keinem Falle standhält. Eine Ergebniskontrolle dieses Religionstrainings ist also für die Eltern kaum möglich, da ihnen jegliche Objektivität der Beobachtung abgeht.

Man kann vermuten, dass nahezu alle Eltern selbst durch diese religiös geprägte Niedertrachtsschulung geführt und ihnen deshalb gewisse Maßstäbe der Menschlichkeit aberzogen wurden. Wie sich dieses Humanitätsmanko danach im Leben der Erwachsenen auswirkt, lässt sich symptomatisch an zwei Beispielen nachweisen:

Mindestens 65% der Mitglieder des Deutschen Bundestages durchliefen eine religiöse Ausbildung. Im Jahre 2012 verabschiedeten sie den § 1631d (StGB), der Kindsverstümmelung, die als vorsätzliche Körperverletzung strafrechtlich verfolgt werden muss, straffrei stellt, wenn sie aus religiösen Gründen auf kultspezifische Weise und an Knaben vollzogen wird. Damit verstieß das Parlament nicht nur gegen Regeln elementarer Menschlichkeit, sondern auch noch gegen die selbstverständliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Ein derartiger Beschluss lässt sich ohne eine mehrheitliche Ausbildung in Niedertracht kaum vorstellen.

Seit vielen Monaten leidet unser Land an einem Zustrom von Menschen, die sich in ihrer Mehrzahl zum Islam bekennen und mit ihrem allzu häufig dargebotenen speziellen Verhalten eine Debatte über Sinn und Wert dieses leichthin »Religion« genannten Kults unter den Einheimischen auslösen. Das dem Islam zugrundeliegende Schriftgut zeigt, dass seine Gläubigen die sogenannten »Ungläubigen« und selbst die den Islam »falsch« Glaubenden mit aller Härte bis hin zum Mord verfolgen müssen, um vor ihrem Gott gut dazustehen, und dies als Pflicht. Diese Grausamkeit ist bis zum heutigen Tag nicht weg- oder umgeschrieben und wird in Teilen der Welt auch in erschütternder Weise praktiziert. Wenn dann ein katholischer Würdenträger darauf besteht, dass die Minarette des Islam ebenso nach Deutschland gehören wie die christlichen Kirchtürme, also Islam ebenso wie Christentum, redet er einer blutigen Ideologie der Kindsverstümmelung, der Jungfrauenblutrunst, der Kindsbräute und der geradezu vorgeschriebenen Gewalt gegen Frauen das Wort. Er stellt sich einer neuen, größeren Gefahr, die sich auch direkt vor seiner Haustür in Köln bereits entladen hat, nicht nur nicht in den Weg, er befördert sie sogar. Kann man mehr Niedertracht öffentlich zelebrieren? Auch bei diesem Kardinal hat die religöse Erziehung voll angeschlagen. Möchte er niederträchtig erscheinen? Wohl kaum, aber er will aus katholischem Eigeninteresse jegliche Diskussion über Sinn und Unsinn, Vor- und Nachteil einer Religion im Keim ersticken, um die Mitgliederzahl seiner Kirche nicht weiter zu gefährden. Dafür geht er bis zum Äußersten.

Die mindeste Konsequenz aus dieser Studie wäre die echte Säkularisierung des Staates, also jedweder Bezug zu Religion müsste aus dem Grundgesetz getilgt werden. Da man Eltern nicht verbieten kann und darf, ihren Kindern Rauchen und Trinken beizubringen, muss man religöse Ausbildung im privaten Bereich wahrscheinlich auch zulassen. Der Staat aber sollte sich schon im Interesse des Gemeinwesens aus jeder Form religiöser Beeinflussung augenblicklich zurückziehen. Gottesdienste haben dann in öffentlich-rechtlichen Medien nichts zu suchen und der kinderschädliche Artikel 7 des Grundgesetzes gehört religionsfrei gestaltet.

Giftige Wörter (Teil A)

Wer wirklich Verantwortung übernehmen will für die Sprache, die er anderen zukommen lässt, sollte durchaus mehr als nur einen Blick in das Handbuch »LTI – Notizbuch eines Philologen« von Victor Klemperer aus dem Jahr 1947 werfen. In dieser Schrift nimmt der Autor Hitlers und Goebbels’ erfolgreichen Sprachkrieg gegen Verstand und Moral ihrer Landsleute kritisch auseinander. Ein Fazit: Sprache ist niemals unschuldig.

Sind wir heute anständiger geworden? Sehen wir uns doch einige gebräuchliche Wörter an.

Arbeitsmarkt

Das Wort klingt nüchtern und chancenträchtig. Das Gift steckt im Wortteil »Arbeit«. Seit Jahrhunderten und bis heute assoziieren wir damit Tätigkeit, die uns ein – wenn auch unter Umständen extrem bescheidenes – Auskommen sichert. Spätestens seit 2005 jedoch sind Millionen Arbeitsverhältnisse entstanden, von denen auch die Bescheidensten nicht existieren können. Sie müssen über die Jobcenter »aufstocken« und sich dafür Erniedrigungen unterziehen, die in Friedenszeiten für Demokratien eigentlich nicht üblich sind.

Wie lässt sich dieses Sprachgift beseitigen? Auf dem teuren Weg einer Aufklärungs- und Werbekampagne »Arbeit hilft zum Leben nicht« oder über ein treffenderes Wort: »Beschäftigungsmarkt«. Menschen entwickeln bei Beschäftigung seltener die Vorstellung eines Einkommens, sondern eher des Verbrauchens von Zeit.

Religion

Mit Religion verbinden Menschen eigentlich Selbstbeherrschung, gesteigerte Moralansprüche und Vergebung. Schon vor 200 Jahren aber fand ein scharfsinniger Beobachter und Analyst menschlichen Verhaltens: »Jeder, der die Macht hat, Dich dazu zu bringen, Absurdes zu glauben, hat die Macht, Dich dazu zu bringen, Unrecht zu begehen.« (Voltaire)

War er parteiisch und hatte mit den Religiösen ein Hühnchen zu rupfen? Oder versteckte er in seinem Satz gar einen üblen Witz, wie: »Es gibt nichts Absurdes unter der Sonne, solange man nur rechtschaffen glaubt.«?

Leider nicht. In einer groß angelegten, sich über Länder, Kontinente und Religionen erstreckenden anthropologischen Studie ermittelte 2015 eine internationale Forschergruppe, dass religiöse Erziehung die Niederträchtigkeit eines Menschen verstärkt. Und das unabhängig von der untersuchten Religion. Zwar schockiert das Ergebnis dieser Studie im Umgang mit Menschen Erfahrene nicht. Aber es ist erschreckend, dass keine widerlegende, wissenschaftlich fundierte Gegenforschung zu finden ist, die diese Studie auch nur ansatzweise in Frage stellt, nicht einmal eine von einer Religion in Auftrag gegebene.

Das Gift des Wortes »Religion« steckt in der Aura, die ohne viel Nachdenkens damit verbreitet wird. Als Abhilfe müsste man  weltumspannende Aufklärung gegen den Willen der religiös Gehirngewaschenen und Moralgeschädigten betreiben. Sinnlos. Also muss das Wort weg. Nennen wir das Phänomen doch lieber »Kult«, ein Begriff, der realistischer besetzt ist. Aber keine Illusion: Die Folgen von Jahrtausenden eines extrem erfolgreichen, demagogischen Religionsmarketings lassen sich auch in Jahrzehnten kaum beseitigen.

Gerechtigkeit

Ein Wort, dass so einfach, geradezu kindlich naiv daherkommt wie kaum ein anderes viersilbiges. Jeder versteht es. Wirklich? Schauen wir uns einige »schreiende Ungerechtigkeiten« an:

  • Serbien kann je Einwohner volle 4008 m² landwirtschaftliche Nutz­flä­che für die Ernährung einsetzen, Kroatien nur 1985 m²  – also weniger als die Hälfte – und Luxemburg nur lä­cher­li­che 1187 m² . Wir Deutschen leben folglich direkt neben einem Volk ohne Raum, einem Pulverfass. Und auch die Serben müssten den Kroaten einen erheblichen Teil ihres Territoriums abtreten.
  • Kroatien hingegen hat pro Kopf 131 Zentimeter Meeresküste zum Fischen, Sonnen, Baden oder für Hafenanlagen zur Ver­fü­gung, Serbien und Luxemburg nicht einen einzigen Millimeter. Die­se beiden Staaten könnten sich im Namen der Gerechtigkeit zu­sam­men­schlie­ßen, um Meereszugänge zu erkämpfen.
  • Massenentlassungen sind in fast allen Fällen ungerecht, denn entweder müssten Männer und Frauen im Verhältnis der Ge­samt­be­völkerung oder der Belegschaft entlassen werden. Doch das rechnet keiner nach. Es gibt auch kein entsprechendes Quo­ten­gesetz.
  • Wenn bei Geschwistern eines eine Grippe bekommt, werden sich die anderen kaum bemühen, der Gerechtigkeit wegen auch zu er­kran­ken. Aber wehe nur eines erhält eine Tafel Schokolade! Auch hier geht es bei Gerechtigkeit nicht darum, alles zu be­kom­men, was der andere hat, sondern nur das, was einem gefällt, sich also subjektiv besser zu stellen.
  • Naturgemäß sind nicht alle Richter, Staats- und Rechtsanwälte von gleicher Qualität. Und dennoch wäre eine Negativliste der größten Rechtsversager sinnlos. Zum ersten können wir zumeist das zuständige Gericht nicht frei wählen. Könnten wir es zum zweiten doch, würden wir kaum ein Gericht mit hoher Re­vi­sions­quote wählen, damit wir – gerechterweise – nicht besser weg­kom­men, als unser unlängst vor einem nachlässigen Amtsrichter gescheiterter Nachbar.

Das Gift steckt in der Manipulationskraft des Wortes: zu viele versammeln sich gern unter der Fahne der Gerechtigkeit und ziehen auch mordend und metzelnd für sie ins Feld.

Fazit: Es gibt keine Gerechtigkeit im Sinne einer Gleichbehandlung, weil es wegen der strikten Ausrichtung allein auf das Positive keine geben kann! Fordert als0 jemand Gerechtigkeit, ist erst einmal höchste Vorsicht geboten. Sie in »Gerächtigkeit« umzubenennen, wäre vielleicht zu empfehlen, auch wenn damit diese Universalwerkzeug der Manipulation nur unvollständig beschrieben wäre.

Die »Süddeutsche« in Erdoğans Spur?

Heute erschien eine abstruse Meldung in der Süddeutschen: »Die Tschechische Republik heißt jetzt offiziell Tschechien.« Welche Ausbildung der Autor dieser Meldung erreicht hat, ließ sich nicht ermitteln. Doch sein Werk verrät immerhin reichliche Unkenntnis.

Offiziell nennt sich jedes Land nur in der Landessprache. So heißt die bisherige Tschechische Republik nun offiziell »Česko«. So wie Finnland sich selbst offiziell »Suomen tasavalta« und die Slowakische Republik offiziell »Slovenská republika« oder kurz»Slovensko« nennt.

Diese Landesnamen heißt es nun hin und her zu übersetzen, selbst für gediegene Blätter wie die Süddeutsche. Die Finnen nennen uns »Saksa« (also »Sachsen«) und die Tschechen »Německo« (also »Land der Stummen«). Deutsche mit Bonsai-Selbstwertgefühl können jetzt richtig ausrasten. Sind wir denn alle Sachsen oder stumm, weil Ausländer unsere Sprache nicht verstehen? Beleidigung! Da soll doch gleich einmal der Außenminister vorstellig werden und diesen Wildlingen die richtige Übersetzung vorschreiben?

Nein? Das tut man nicht? Richtig. Das Minimum an Souveränität, was man einem Staat zugestehen sollte, ist, allein über seine Sprache entscheiden zu dürfen. Doch mindestens eine Ausnahme gibt es: das Rechtsmuseum Deutschland.

Irgendwelche sowohl des Tschechischen als auch der Geschichte unmächtigen Entscheider rund um das deutsche Außenministerium entschlossen sich, für »Česko« die Übersetzung »Tschechien« durchzuboxen, angeblich auf Forderung tschechischer Behörden. Die aberwitzige Begründung: Im Dritten Reich hätte man die – auch historisch korrekte – Übersetzung »Tschechei« abschätzig für dieses Staatsgebiet benutzt. Also müsse ein frisches Kunstwort her. Dabei vergaß man allerdings gleich noch »Slowakien« oder »Mongolien« überzustülpen. Vielleicht sollten wir wegen des unstrittigen massenhaften Missbrauchs deutschen Vokabulars unsere Sprache entsorgen und auf Volapük umsteigen?

Ist dieser Fehler nun bedeutsam? Nein, über ihn könnte man lächeln. Wenn er nicht die krankhafter Sucht deutscher Politiker beleuchtete, vor ausländischen Herrscherfiguren auf Kosten des eigenen Volkes zu katzbuckeln. Von »Tschechien« führt ein konsequenter Irrweg zum Anschleimen der Bundeskanzlerin an Erdoğan

Epilog. »Tschechien« gibt es wirklich; in einer Sage. Es ist die Gegend, in der die mythische, heidnische Gestalt »Tschechie«, die Beschützerin der böhmische Lande, ihr Wesen treibt.

Deutsche brauchen Integration

Nachbarschaft kann trügen

Spazieren wir durch eine uns noch unbekannte deutsche Stadt, kann uns ein Gang über die Friedhöfe manches Interessante verraten. Finden wir besonders oft Israel, Wünsche, Winkler und Hempel auf den Grabsteinen, deutet es auf eine Grabstätte in der Oberlausitz hin. Häufen sich polnische Namen könnten wir im Ruhrpott gelandet sein. Enden viele Namen auf -huber, wird das Bairische nicht weit sein.

Doch täuschen solche Nameshäufungen eine lokale Verbundenheit der Menschen vor, die es im Leben nie gab und die – so seltsam es klingen mag – bei genauem Hinsehen nicht einmal nach dem Tode vorgetäuscht wird. Denn Deutsche bestatten die Überreste ihrer Gestorbenen auch im Jahre 2016 zumeist noch nach Konfession, räumlich sauber getrennt. Zwar könnte kein Wissenschaftlerteam der Welt nach einer Exhumierung feststellen, ob der einst Lebende zusätzlich zu seinen bei der Geburt angelegten Hirnfunktionen noch einem Glauben nachging oder gar welcher Glaubensversion, aber das hindert viele Einwohner unseres Landes nicht daran, das Andenken an Verstorbene durch heftiges Einbilden eines konfessionellen Unterschieds zu veredeln.

Raumfahrer von einem anderen Stern würden sich auf unserer Erde ihren Denkapparat zermartern, was diese Überreste-Trennung für Gründe hat und kämen wohl aus dem Rätseln nicht mehr heraus. Der Verdacht besteht, dass wir Erdlinge es ihnen auch nicht erklären könnten. Nicht wegen sprachlicher Schwierigkeiten, sondern weil die Raumfahrer in ihrem frühen Kindesalter sein müssten, Eingebildetes als Wahrheit anzunehmen.

Gibt es denn keine menschenfreundlichere Methode, andere zu verwirren, als sich nicht vorhandene Unterschiede derart drastisch eintrichtern zu lassen, dass man den Menschen nicht einmal vereint nachttrauert? Bevor wir von Ankömmlingen Integration fordern, sollten wir sie erst einmal selbst versuchen. Wenigstens probehalber.

Der Moderhauch des Mittelalters

Der Moderhauch des Mittelalters weht durch das Deutschland des Jahres 2016.

Nur Nichtjuristen haben die Chance, Deutschland wenigstens irrtümlich für einen modernen Staat zu halten. Der Jurist hingegen blättert in den Gesetzbüchern und findet schlicht unvorstellbare Widerlichkeiten, die in Deutschland rechtens sind.

So ist seit 2012 der Artikel 2 des Grundgesetzes für männliche Kinder aufgehoben; der Staat erlaubt es, diese nach Belieben zu Versehrten zu machen. Wenigstens hat man in diesem Fall von schmerzhafter Gleichstellung der Frau abgesehen. Noch?

Eltern dürfen ihren Kindern eine Religion aufzwingen und der Staat muss dafür auch noch kostenfrei Angebote bereitstellen. Dabei steht nirgends festgeschrieben, was im Grenzfall noch Religion ist, ob nun die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters oder der bis ins Mark Frauen diskriminierende Islam.

Die Karikaturisten des CHARLIE HEBDO wären hierzulande weitaus besser geschützt gewesen als im allzu gottlosen Frankreich. Wer nämlich mit seinen religionsbezogenen Äußerungen Muslime (bewaffnet oder nicht) auf die Straße ruft, »stört den öffentlichen Frieden«. Dafür kann er bis zu drei Jahre Haft bekommen, diese Redakteure wären also durch Gefängnismauern geschützt gewesen!

Warum ist unserer Politik – allen voran dem Bundestag – diese Rechtsordnung – vielleicht besser dieses »Rechtsmuseum« – offensichtlich recht? Weil es ohne das Primat von Religion schwieriger ist, Menschen zu Taten – auch zu Grausamkeiten – zu bewegen, vor denen ursprüngliche – also religionsfreie – Menschen gewöhnlich zurückschrecken. Dieser Religionismus schafft mehr Spielräume für zwischenmenschliches Handeln.

Voltaire wusste das schon vor zwei Jahrhunderten: »Jeder, der die Macht hat, Dich dazu zu bringen, Absurdes zu glauben, hat die Macht, Dich dazu zu bringen, Unrecht zu begehen.«